


















Antike Schreibkommode Eiche Gründerzeit um 1890 mit Pultfach
Die Schreibkommode entstand im späten 19. Jahrhundert, vermutlich um 1890, und folgt der historistischen Formensprache der Neorenaissance mit gedrehten Säulen und massiver Eichenkonstruktion. Der Aufbau ist klar gegliedert: kubisches Korpusvolumen, gleichmäßig gestufte Schubladenfronten und flankierende Säulen ergeben eine ruhige, ausgewogene Proportion, die trotz kompakter Grundfläche gestalterisch geschlossen wirkt.
Historischer Kontext
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nahm der private und geschäftliche Schriftverkehr deutlich zu. Handel, Handwerk und Verwaltung erzeugten Belege, Korrespondenz und Buchführung, die geordnet und abschließbar aufbewahrt werden mussten. Daraus entstand ein eigener Möbeltyp zwischen Kommode und Schreibmöbel: kompakt genug für Kontore, Ladenrückräume und bürgerliche Wohnzimmer, zugleich mit Schreibfläche, Fächern und Schließmechanik ausgestattet. Solche Stücke standen dort, wo gearbeitet und verwahrt wurde – in Kontoren, Praxen, Werkstattbüros und in den Arbeitszimmern bürgerlicher Haushalte. Die serielle Fertigung massiver Eichenmöbel in dieser Zeit erlaubte robuste Konstruktionen mit gedrechselten Zierelementen zu vertretbaren Kosten, was die weite Verbreitung historistischer Formen erklärt.
Merkmale
Zentralverriegelung der Schubladen über einen seitlich verschiebbaren Hebel unterhalb des Klappdeckels – alle Schubladen werden mit einer Bewegung gesichert.
Seitlich ausziehbare, grün bezogene Schreibplatte mit Messingknopf, die zusätzliche Ablagefläche für Dokumente bietet, ohne die Stellfläche zu vergrößern.
Design
Historismus, Neorenaissance-Linie, letztes Viertel des 19. Jahrhunderts. Die Gliederung folgt einem strengen vertikalen Schema: profilierter Sockel mit vorspringenden Eckklötzen, Schubladenzone mit kassettierten Fronten, abschließendes Pultgeschoss mit umlaufendem Profilrand. Die seitlich vorgesetzten, gedrehten Säulen (Seilstab) rhythmisieren die Front und sind das einzige ornamentale Element; Schnitzwerk und Applikationen fehlen bewusst. Die Tropfenzuggriffe sind schlank und zurückhaltend proportioniert. Die Rückseite ist finiert ausgeführt, das Möbel damit freistehend konzipiert.
Funktion
Früher: Schreib- und Verwahrmöbel für Korrespondenz, Belege und Wertsachen im Kontor oder Arbeitszimmer.
Heute: Ablage- und Ordnungsmöbel im Flur, Wohnzimmer oder Büro, als Beistellkommode, Telefon- oder Schlüsselkommode, für Schreibutensilien, Dokumente oder Sammlungsgegenstände; die Rollen erlauben eine freie Platzierung im Raum.
Maße
Höhe 76 cm × Breite 50 cm × Tiefe 50 cm
Material und Zustand
Eiche massiv, Griffe und Beschläge aus Metall, Auszugsplatte mit grünem Bezug (Materialart nicht eindeutig bestimmbar), Messingknopf, Rollen. Schlüssel für das Pultfach vorhanden.
Gut erhaltener, altersgemäßer Zustand mit sichtbarer Patina und Gebrauchsspuren. Rückwand und Seitenteile weisen altersbedingte Risse im Holz auf; Stabilität und Funktion sind davon nicht beeinträchtigt. Auf dem Deckel sind vereinzelte dunkle Flecken sichtbar. Schubladen laufen, Klappdeckel, Verriegelung und Auszugsplatte funktionsfähig.
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