









Antikes Eisenbett mit Messingdekor, weiß, um 1900
Eisenbett mit gegossenen Messingzierteilen aus der Zeit um 1900. Die Gestaltung bleibt trotz des ornamentierten Fußteils formal ruhig, da die senkrechte Stabgliederung und die durchlaufenden Querstangen die Fläche gleichmäßig ordnen und das Ornament als einzelner Akzent gesetzt bleibt.
Historischer Kontext
Metallbetten verbreiteten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst aus hygienischen Gründen. Anders als hölzerne Bettgestelle boten Rohrkonstruktionen aus Eisen kaum Fugen, in denen sich Ungeziefer festsetzen konnte, und ließen sich abwischen und desinfizieren. Die industrielle Fertigung gezogener Rohre und gegossener Verbindungsstücke machte solche Betten ab etwa 1870 in größerer Stückzahl verfügbar und damit für breite bürgerliche Schichten erschwinglich. Messing diente dabei als Wertakzent: Knäufe, Querstangen und Ziergitter hoben ein serienmäßig gefertigtes Gestell aus dem rein Funktionalen heraus und markierten den repräsentativen Anspruch des Schlafzimmers. Schmale Einzelbetten dieser Bauart standen in Kinder- und Jugendzimmern, in Gäste- und Dienstbotenzimmern sowie paarweise in bürgerlichen Schlafräumen. Die Konstruktion war von Beginn an auf Zerlegbarkeit ausgelegt, was Transport, Umzug und saisonale Reinigung erleichterte.
Merkmale
Durchbrochenes Messingornament am Fußteil mit Rosenkorb über gittergefülltem Korpus, seitlich in Rankenwerk auslaufend und in eine profilierte Fußvase mündend.
Gusseiserne Eckverbinder mit Steckverbindung an den Seitenteilen; das Gestell ist ohne Werkzeugaufwand zerlegbar.
Design
Historismus, um 1900. Das Ornamentvokabular des Fußteils greift auf neorokokohafte Formen zurück: C-Schwünge, Akanthusranken, Blütenkorb und Gitterwerk. Der konstruktive Aufbau folgt dagegen einem strengen Raster aus senkrechten Rundstäben zwischen durchlaufenden Querstangen. Kopf- und Fußteil sind unterschiedlich hoch gegliedert, wodurch das Bett eine gerichtete Silhouette erhält. Die Messingelemente sind nicht flächig, sondern punktuell gesetzt – Knäufe, Stabbekrönungen, Querstangen, Fußmanschetten –, sodass sich der Zierwert aus der Wiederholung kleiner Teile und nicht aus einer geschlossenen Dekorfläche ergibt.
Maße
Höhe Kopfteil 119 cm
Höhe Fußteil 80 cm
Matratzenmaß (Liegefläche) 90 × 190 cm
Material und Zustand
Eisen und Gusseisen, Zierelemente und Querstangen in Messing. Der Eisenrahmen ist cremeweiß lackiert; die Lackierung wurde erneuert und ist flächig geschlossen. Die Messingteile tragen eine gewachsene Patina mit ungleichmäßiger Tönung und vereinzelten Oxidationsspuren. Altersbedingte Unregelmäßigkeiten an Guss und Verbindungsstellen sind vorhanden und Teil des historischen Charakters. Das Gestell ist stand- und funktionssicher und für den Transport demontierbar.
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