




Art-Déco Schminkkommode mit Triptychonspiegel, um 1930
Schminkkommode mit dreiteiligem Klappspiegel aus dem deutschen Möbelbau des Art Déco, um 1930. Der Aufbau ist klar gegliedert: zwei erhöhte Seitenkorpusse rahmen einen niedrigen Mittelteil, wodurch die Spiegelfläche ruhig in die Gesamtform eingebunden bleibt und die Silhouette trotz beträchtlicher Höhe ausgewogen wirkt.
Historischer Kontext
Schmink- und Frisierkommoden gehörten in den 1920er und 1930er Jahren zur regulären Ausstattung bürgerlicher Schlafzimmer und wurden meist als Teil einer mehrteiligen Schlafzimmergarnitur gefertigt. Sie lösten den älteren Toilettentisch des 19. Jahrhunderts ab und verbanden dessen Funktion mit erweitertem Stauraum für Pflege- und Frisierutensilien. Der dreiteilige Klappspiegel entstand aus dem praktischen Bedarf, Hinterkopf und Profil einsehbar zu machen – eine Anforderung, die mit den kurzen Damenfrisuren dieser Jahre an Bedeutung gewann. Die serielle Fertigung in furnierten Weichholzkonstruktionen ermöglichte es, Möbel dieser Art einer breiteren Käuferschicht zugänglich zu machen, ohne auf großflächige Furnierbilder zu verzichten.
Merkmale
Dreiteiliger Spiegelaufsatz mit facettierten Gläsern; die beiden Seitenflügel sind über Scharniere beweglich und lassen sich zum Mittelspiegel hin einstellen.
Zweizoniger Korpusaufbau: die erhöhten Seitenteile enthalten je eine Schublade über einer Tür mit innenliegendem Einlegeboden, der zurückgesetzte Mittelteil zwei Schubladen über offenem Fußraum.
Design
Die Gestaltung folgt dem Art Déco der späten 1920er und frühen 1930er Jahre. Bestimmend sind gerundete Eckstollen, ein umlaufend gestufter Sockel und blockhaft ausgebildete Füße, die dem Möbel eine geschlossene, flächenbetonte Erscheinung geben. Auf plastische Ornamentik wird verzichtet; die gestalterische Wirkung entsteht aus der Zeichnung des Furniers, der Abstufung der Korpushöhen und der Kontur des Spiegelaufsatzes. Dessen mehrfach geschweifter oberer Abschluss ist ein aus älteren Formtraditionen übernommenes Motiv und steht in bewusstem Gegensatz zur geometrischen Strenge des Unterbaus.
Funktion
Früher: Frisier- und Pflegeplatz im Schlafzimmer oder Ankleideraum, in Verbindung mit einem separaten Hocker.
Heute: neben der ursprünglichen Nutzung auch als Konsole im Flur oder als Ablage- und Stauraummöbel im Wohnraum verwendbar.
Maße
Höhe 177 cm × Breite 127 cm × Tiefe 29 cm
Material und Zustand
Massivholz und Furnier, vermutlich Birke. Beschläge aus Messing; die Knäufe wurden ersetzt. Die Abdeckplatten der beiden Seitenkorpusse sind schwarz beschichtete MDF-Platten und nachträglich ergänzt, nicht bauzeitlich. Spiegelgläser facettiert, mit altersbedingten Spuren im Belag.
Gebrauchter Zustand, altersgemäß erhalten, mit sichtbarer Patina und Gebrauchsspuren an Oberflächen und Kanten. Das Möbel wurde bei Kastellan geprüft, gereinigt, materialgerecht behandelt, konstruktiv überprüft, stand- und funktionssicher.
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