









Nachttisch Louis Philippe mit Marmorplatte, Frankreich um 1870
Französischer Nachttisch (Chevet) im Louis-Philippe-Formenkanon, gefertigt um 1870. Die hochrechteckige Grundform mit abgeschrägten Eckpilastern, gerundetem Sockel und dunkler Marmorplatte wirkt klar proportioniert und gestalterisch geschlossen, da auf Ornamentik zugunsten der Flächenwirkung des Furniers verzichtet wurde.
Historischer Kontext
Der Nachttisch entstand im 19. Jahrhundert als eigenständiger Möbeltyp des bürgerlichen Schlafzimmers. Er stand paarweise oder einzeln neben dem Bett und nahm auf, was zur nächtlichen Versorgung gehörte: Leuchter, Karaffe, Lesegerät sowie – im geschlossenen Unterteil – das Nachtgeschirr. Die Marmorplatte war dabei kein dekoratives Zusatzelement, sondern eine funktionale Antwort auf Feuchtigkeit, Kerzenwachs und Reinigungsbedarf. In Frankreich wurden solche Chevets ab der Mitte des Jahrhunderts in großer Zahl von Möbelwerkstätten gefertigt, die furnierte Serienmöbel für den städtischen Wohnbedarf herstellten. Die schmale Stellfläche und die Rollen am Sockel verweisen auf Schlafräume, in denen Möbel beweglich bleiben mussten.
Merkmale
Das Maserfurnier auf Tür und Schubkastenfront ist spiegelbildlich gesetzt, sodass sich über die geschlossene Front ein symmetrisches Bild ergibt.
Der Sockel ist mit kleinen Messingrollen versehen; der Innenraum enthält einen eingezogenen Fachboden.
Design
Die Gestaltung folgt dem französischen Louis-Philippe-Formenkanon, der ab den 1830er Jahren die geradlinige, flächenbetonte Nachfolge des Empire bildete und bis in die Zeit des Second Empire weitergeführt wurde. Charakteristisch sind der blockhafte, hochrechteckige Aufbau, die abgeschrägten und kanelierten Eckpilaster als einzige vertikale Gliederung sowie der gerundete, vorkragende Sockel. Ornamentik fehlt vollständig; die gestalterische Wirkung entsteht ausschließlich aus Proportion, Kantenführung und der Zeichnung des Furniers. Die dunkle Steinplatte setzt einen ruhigen oberen Abschluss und trennt Korpus und Aufstellfläche optisch voneinander.
Funktion
Früher: Ablage für Leuchter, Karaffe und persönliche Gegenstände; das geschlossene Unterteil diente der Aufbewahrung des Nachtgeschirrs.
Heute: Nutzung als Nachttisch, Beistelltisch, Telefontisch oder schmales Stellmöbel im Flur; Schublade und Korpusfach bieten Stauraum für Kleinteile.
Maße
Höhe 74 cm × Breite 40 cm × Tiefe 31 cm
Material und Zustand
Korpus aus Holz, Front und Seiten mit lebhaft gemasertem Furnier belegt, Schubkasteninneres aus hellem Holz. Aufliegende Platte aus dunklem Marmor mit weißer Aderung. Gedrechselte Knöpfe an Schublade und Tür, kleine Messingrollen am Sockel.
Gebrauchter Zustand, altersgemäß erhalten. Schublade und Tür sind funktionsfähig, das Möbel steht sicher.
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