


















Waschkommode antik Louis Philippe um 1860 mit Marmorauflage und Klappspiegel
Waschkommode aus der Zeit des Louis Philippe, um 1860, mit aufklappbarer Deckelplatte, innenliegendem Spiegel und eingelassener Marmorauflage. Die Gestaltung verzichtet vollständig auf Ornament und stützt sich auf den geschweiften Aufsatzkranz, die gleichmäßige Staffelung der vier Schubladen und die durchlaufende Furnierzeichnung, wodurch das Möbel trotz seiner Bauhöhe geschlossen und ruhig proportioniert wirkt.
Historischer Kontext
Waschkommoden dieser Art gehörten im 19. Jahrhundert zur Standardausstattung bürgerlicher Schlafzimmer und Ankleideräume, da fließendes Wasser in Wohnhäusern erst gegen Ende des Jahrhunderts verbreitet war. Die tägliche Körperpflege fand am Möbel statt: Wasserkanne und Schüssel standen auf einer wasserunempfindlichen Steinplatte, Wäsche und Toilettenutensilien wurden in den darunterliegenden Schubladen verwahrt. Modelle mit aufklappbarer Deckelplatte verbanden zwei Anforderungen – die Marmorfläche blieb im geschlossenen Zustand verdeckt, sodass das Möbel tagsüber als reguläre Kommode im Raum stand. Der im Deckel montierte Spiegel machte einen separaten Frisiertisch entbehrlich und verband Waschplatz und Toilette in einem Möbel. Rollen an den Füßen entsprachen der Wohnpraxis der Zeit, in der Möbel zum Reinigen und Heizen regelmäßig verrückt wurden.
Merkmale
Aufklappbare Deckelplatte mit innenliegendem, gerahmtem Spiegel, geführt über messingne Scharniere und eine Feststellstrebe, die den Deckel in geöffneter Stellung hält.
Dreiseitig aufgekantete Marmorauflage, deren rückwärtige und seitliche Platten in die geschweiften Wangen des Aufsatzes eingepasst sind.
Design
Louis Philippe, um 1860. Der Aufbau folgt dem Prinzip klarer horizontaler Schichtung: Sockel, Schubladenblock, Aufsatz mit geschweiftem Kranz. Die vorderen Korpuskanten sind gerundet und durch schmale, gekehlte Lisenen betont; profilierte Rahmenleisten fassen jede Schubladenfront ein und geben der Front eine gleichmäßige Rasterung. Die Schlösser sind bündig eingelassen. Ornamentaler Schmuck fehlt vollständig – die gestalterische Wirkung entsteht ausschließlich aus Proportion, Profilverlauf und der spiegelbildlich angelegten Furnierzeichnung, ein für die französische Möbelproduktion der Jahrhundertmitte charakteristischer Ansatz.
Funktion
Früher: Waschplatz und Toilettenmöbel im Schlaf- oder Ankleidezimmer, mit Marmorfläche für Kanne und Schüssel sowie Spiegel für die Körperpflege.
Heute: nutzbar als Kommode im Schlafzimmer oder Flur, als Ankleide- und Schminkmöbel oder als Sideboard; die Marmorfläche eignet sich im geöffneten Zustand als abwaschbare Ablage.
Maße
Höhe 99 cm × Breite 89 cm × Tiefe 50 cm
Höhe bei aufgeklapptem Deckel mit Spiegel: 149 cm
Material und Zustand
Kirschbaum (merisier), Wurzelholzfurnier auf Front, Sockel und Aufsatz; Auflage aus weißem Marmor. Vier Schubladen, Schlüssel vorhanden. Sockel auf gedrückten Füßen mit Rollen.
Gebrauchter, altersgemäßer Zustand mit sichtbarer Patina. Die alterungsbedingten Risse an den Seiten wurden gespachtelt und geschlossen. Die Marmorplatte weist in einer Ecke kleine Risse auf. Das Spiegelglas zeigt starke Patina mit flächigen Blindstellen im Belag – siehe Fotos.
Die Aufbereitung erfolgte bei Kastellan: Die Oberflächen wurden vollständig neu bearbeitet – geschliffen, materialgerecht behandelt und geölt. Zwei kleine Furnierbläschen an der Oberfläche wurden neu verleimt und gesichert; ein Abplatzen ist nicht zu erwarten. Das Möbel wurde geprüft, gereinigt, materialgerecht behandelt, konstruktiv überprüft, stand- und funktionssicher.
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